Der
Akademische Orchesterverein (AOV) verdankt sein Entstehen
| Festschrift 100 Jahre AOV, 2005 |
| Peter Placheta: 100 Jahre AOV |
| Geschichte 1904-1994 |
| Gedanken von Wolfgang Gabriel, 1994 |
| Persönliche Erinnerungen |
| Ur- oder Erstaufführung |
| Ehrenmitglieder und Ehrendirigenten |
| Solisten |
Ministerialrat Dr. Eugen Macher, der als Student zusammen mit dem damaligen Universitätsmusikdirektor Franz Pawlikowsky versuchte, aus Hochschulstudenten ein kleines Orchester zu bilden. Der eigentlichen Gründung des Vereins gingen kleinere musikalische Veranstaltungen voraus, die schon im Jahre 1901 einsetzten. Am 11. Dezember 1904 jedoch war es so weit, dass sich der Verein konstituieren konnte.
Am 15. Dezember 1904 wurde erstmals geprobt und anfangs Jänner 1905 wirkte das Ensemble bereits bei einer Veranstaltung des Akademischen Gesangvereines mit. Am 16. März 1905 trat der Verein mit einem "Vortragsabend" erstmals selbständig auf, und im November des gleichen Jahres fand das erste Konzert im damaligen "Kleinen Musikvereinssaal", (heute "Brahmssaal" genannt) statt.
Aus den spärlich vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass sich die Aktivitäten der Vereinigung außerordentlich rasch verstärkten und bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges muss sie ein den damaligen Verhältnissen entsprechendes, respektables Niveau erreicht haben. Davon gibt eine Aufführung von Haydns "Jahreszeiten" Zeugnis, die unter Mitwirkung des Singvereins der Gesellschaft der Musikfreunde, von Franz Schalk als Dirigenten geleitet werden sollte, der aber dann wegen einer kurzfristigen Verhinderung absagen mußte.
Trat
das Orchester anfangs nur im Kleinen Musikvereinssaal auf, fand am 5.12.1913
das erste Konzert (10-jähriges Jubiläum) im Großen Musikvereinsaal
statt.
Der Krieg unterbrach zeitweise die Tätigkeit, doch schon im Herbst
1919 konnte das erste Nachkriegskonzert - diesmal wieder im Großen
Musikvereinssaal - gespielt werden. In den folgenden Jahren konnte sich
der AOV besonders günstig entwickeln. Viele junge Studenten, die das
Glück hatten, den Krieg heil überstanden zu haben, strömten
ihm zu, und dass Richard Strauss unser Ensemble würdigte, unter seiner
Leitung und mit dem berühmten Karl Stiegler als Solisten sein Hornkonzert
zu spielen, zeigt, wohin der Verein bereits gelangt war.
In dieser wirtschaftlich keineswegs rosigen Zeit verschmähten es auch
Berufsmusiker nicht dem AOV beizutreten und sich so ihre erste Orchestererfahrung
anzueignen. So sind insgesamt viele später den Berufsorchestern und
auch den Wiener Philharmonikern zugehörige junge Musiker sowie Zubin
Mehta, der Kontrabass studierte und Erik Werba in ihren Anfängen Mitglieder
des AOV gewesen.
Wieder kam
Krieg, und als er ausbrach und viele Orchestermitglieder einberufen wurden,
schien alles bisher Erreichte verloren zu gehen. Kaum aber war er zu Ende,
als auch schon der Wiederaufbau begann. Die Zeit aber hatte sich geändert
- auch im Musikbetrieb. Die Schallplatte
hielt Einzug in Haus und Familie und schien das private Musizieren zu zerstören.
Es kam anders. Trotz aller Unkenrufe lebt das häusliche Musizieren weiter, und der AOV ist zum Sammelpunkt von Liebhabermusikern geworden, die nicht nur in der familiären Atmosphäre sondern in aller Öffentlichkeit mit Begeisterung ans Werk gehen. Die Kriterien haben sich allerdings geändert. Der Liebhabermusiker von heute muss jenes Maß von Können aufweisen, das dem durch die Perfektion des heutigen Musikbetriebs verwöhnten Zuhörer halbwegs genügt. Gerade das aber ist für die Mitglieder des AOV Ansporn, ihre Leistung zu steigern um auch heute im künstlerischen Wettkampf zu bestehen.
Ist
auch in der Zeit vorher so mancher Glanzpunkt zu verzeichnen, hat doch Karl
Böhm den AOV für würdig gefunden, sein Festkonzert zum 5O
Jahr-Jubiläum zu dirigieren. Von 1971 bis 1985 übertrug der Österreichische
Rundfunk die AOV- Konzerte, er engagierre das Orchester zu Studioproduktionen
und auch die Gesellschaft der Musikfreunde lud ein, zusammen mit ihrem Singverein,
sogenannte "Archivkonzerte", bzw. Konzerte im Rahmen der "Haydntage"
(gemeinsam mit den Wiener Sängerknaben) zu spielen.
Seit 1980 gibt es eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem "Konzertkomitee
Heiligenstadt", die zwei Mal jährlich Konzerte in der Pfarrkirche
St. Michael in Heiligenstadt - anfangs auch am Heiligenstädter Pfarrplatz
- veranstaltet.
Im Mittelpunkt dieser Konzerte stand immer der "genius loci Beethoven"
und es wurde neben vielen anderen Werken bereits zwei Mal ein kompletter
Beethoven- Zyklus samt der "Missa Solemnis" aufgeführt.
1988 übernahm Wolfgang Gabriel die musikalische Leitung der Bachgemeinde und dadurch kam es zu einer intensiven künstlerischen Zusammenarbeit mit dieser Vereinigung. Aus der Vielzahl der aufgeführten Werken sind vor allem die Bach´schen Passionen ("Matthäuspassion", "Johannespassion"), "Messe in h-moll", "Magnificat", sämtliche Motetten sowie das Mozart-, Brahms- und Faure-Requiem zu erwähnen. Um das gespielte Repertoire beneidet die AOV - Amateurmusiker so mancher Profimusiker - wo hat dieser heutzutage schon die Möglichkeit, z.B. bei der Aufführung einer der großen Passionen von Bach mitzuwirken.
Dem Engagement unseres langjährigen Konzertmeisters Dr. Hans Mühlbacher verdanken wir das jährliche Frühlingskonzert in Floridsdorf, das die Bezirksfestwochen einleitet.
Unser jährliches Konzert im Großen Musikvereinssaal ist der Höhepunkt unseres musikalischen Jahres, das wir immer mit Freude und Sorgfalt gestalten.

Generalprobe im Großen Musikvereinssaal am 20.11.1971:
Solist: Rainer Küchl, Dirigent: Wolfgang Gabriel, Konzertmeister: Hans
Mühlbacher

1978
Solistin: Klara Flieder, Dirigent: Wolfgang Gabriel, Konzertmeister: Hans
Mühlbacher